Die lettische Malerin Edite Grinberga, die seit achtzehn Jahren in Berlin lebt, fängt mit ihrer Malerei scheinbar unscheinbare Stimmungen ein: Ein Tuch,
ein Blatt, ein Buch wird zum Motiv, doch in Wahrheit wird hier Licht gemalt.
Licht und Schatten sind die zentralen Elemente ihrer Bilder, die großflächig den Raum greifen und zum Innehalten zwingen. Die Zeit scheint stehen zu bleiben und die Malereien spielen mit den Empfindungen des Betrachters, der zur Ruhe kommen muss: Bewegt sich der Vorhang auf jenem Bild? Berührt ein Lufthauch die Blätter des aufgeschlagenen Buches?
Das Vergängliche, der fragile Raum zwischen Licht und Dunkel, die Stille und Ruhe gilt es für Edite Grinberga auszuloten. Mit beinahe nüchterner Hinwendung zum Detail fängt sie das Wesen des Schattens ein, er ist Stilmittel und Protagonist zugleich.
Häufig ist der Gegenstand selbst gar nicht zu sehen, wie auch die Lichtquelle nicht zu erkennen ist: In Vorhängen und Bändern, Ranken und Blättern, sowie
in Körpern und Gegenständen fängt sich das Licht, bildet Schatten, Umrisse
und Falten. Ungewiss bleibt zuweilen, ob jene Blätter, jenes Sumpfgras in Dämmerlicht gemalt wurden, oder doch nur ihr Schatten... Es sind Augenblicke der Wahrnehmung, in denen die Aussenwelt mit den inneren Bildern des Bewusstseins zerschmilzt.
Die Technik von Weichzeichnung und gleichzeitiger Präzision erzeugt einen Stil, der Fotorealismus und Romantik verbindet. Fast erwecken die Bilder einen Eindruck von Behutsamkeit, von Zärtlichkeit. Und so hängen, liegen, schweben die Malereien von Edite Grinberga im Raum und bitten den Betrachter um Zeit. Um Zeit für den so ungewöhnlichen Blickwinkel der Künstlerin auf die Dinge, um Zeit für die so sonderbare Stimmung, die in diesen Bildern liegt. Nicht surreal, aber doch etwas träumerisch. Nicht verklärt, und doch etwas melancholisch. Nicht romantisierend, aber doch sehnsuchtsvoll. Anders – wie der Schatten eines Traums.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|